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100 Jahre Mozartfest Würzburg

Salzburger Flair in Franken

Das Mozartfest Würzburg feiert hundertjähriges Bestehen.

Wien am 13. Februar 1921. Vor versammelter Presse wird im Zirkus Busch ein österreichischer Stummfilm gezeigt mit den Titel „Mozarts Leben, Lieben und Leiden“. Eine teure Produktion, aufwendig und detailverliebt von Otto Kreisler inszeniert und an Originalschauplätzen gedreht. Würzburg im Jahre 1921. Hier sind in Deutschland die „heroischen“ Werke von Richard Wagner beliebter als Mozarts Musik. Das hält den Komponisten, Dirigenten und Direktor des Musikkonservatoriums Hermann Zilcher nicht ab: Mit der „Würzburger Musik- und Theaterwoche“ ruft er das erste Mozartfest in Deutschland ins Leben.

Mozart-Originalschauplätze hat Würzburg nicht vorzuweisen. Dafür steht Zilcher die spektakuläre Würzburger Residenz zur Verfügung mit ihren prächtigen Räumen und einem Hofgarten. 1744 hatten sich die prunksüchtigen Fürstbischöfe das Schloss von Balthasar Neumann bauen lassen. Architektonische Meisterleistung ist ein einzigartiges Treppenhaus, über das sich der 600 Quadratmeter große Freskenhimmel des Venezianers Giovanni Battista Tiepolo spannt. Ein himmlischer Rahmen also für die Musik Mozarts oder die „innige Vermählung zwischen Ton, Architektur und Farbe“, wie Zilcher es beschrieb.

Zilcher übernahm nicht nur die künstlerische Leitung des Mozart­fests, sondern trat auch als Dirigent auf. Am Nachmittag kam man zu den Tee­konzerten im Gartensaal, morgens und abends zu den Konzerten im Kaisersaal und nachts zu den Musiken im Hofgarten, bei denen auch Schäferspiele mit Tanz und Gesang in Barockkostümen aufgeführt wurden. Sakral­musik gab es in der Neubaukirche und regelmäßig ein Gartenfest in Veitshöchheim. 1942 musste Zilcher die Leitung abgeben, wirkte aber in beratender Funktion fort. Das Festival wurde von nun an für NS-Prograganda und „Kraft durch Freude“-Veranstaltungen vereinnahmt. Mit der Zerstörung der Residenz bei dem Bombenangriff auf Würzburg verlor das Mozartfest seinen Rahmen, mit dem Tod Zilchers 1948 seine treibende Kraft.

Der Kaisersaal in der Würzburger Residenz
Der Kaisersaal in der Würzburger Residenz

Mozartfest Würzburg: Neustart mit Eugen Jochum

Nur wenige Jahre später glückte ein Neustart mit Eugen Jochum als künstlerischem Leider des Festivals. Es wurden ausschließlich Werke von Mozart aufgeführt. Anfang der Achtzigerjahre aber brachte Nikolaus Harnoncourt mit seiner historischen Aufführungspraxis Unruhe in die Mozartinterpretation. Anfang der eventorientierten Neunzigerjahre öffnete sich das Mozartfest allmählich auch anderem Repertoire. Einen dramatischen Einschnitt brachte die Corona-Pandemie mit sich. Sie zwang zur Absage aller Konzerte. Binnen weniger Wochen wurde ein neues Programm aufgelegt, das zum Teil live gestreamt wurde. Im immer noch von der Pandemie beherrschten Jahr 2021 feiert das Mozartfest Würzburg nun sein hundertjähriges Bestehen. ­Artiste étoile und Komponist im Porträt ist Wolfgang Amadé Mozart selbst. Zentrale Projekte des Jubiläums­programms sind die Ausstellung IMAGINE MOZART, die Konzertreihe „Mozarts Europa“, der Ideenwettbewerb „100 für 100“ und die Vortragsreihe „Wie viel Mozart braucht der Mensch?“

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