Nur dank zahlreicher Eingemeindungen hat Hitzacker knapp über 5000 Einwohner. Doch der Zauber der fast 800 Jahre alten Fachwerkstadt erschließt sich gleich, wenn man aus dem geziegelten „Kulturbahnhof“ an der Wendlandbahn tritt: Hier geht es beschaulich zu, und nach einem Kilometer Fußmarsch erhebt sich die historische Altstadt auf der Insel zwischen Jeetzel-Mündung und Elbe in einer einmaligen nordischen Kulturlandschaft zwischen Klinkerrot und Flussauengrün.
Dass sich sensible Großstadtmenschen hier wohlfühlen, ist kein Wunder, und so bietet Hitzacker nicht nur drei Museen und einen gut etablierten Luftkurbetrieb, sondern auch zwei renommierte Musikfestivals – eines im Sommer, eines im Winter. Einmalig indes dürfte die Trägerschaft der „Musikwoche Hitzacker“ sein, die im vergangenen Jahr gleich ein ganzer Klangkörper von Albrecht Mayer übernommen hat: das Mahler Chamber Orchestra, hervorgegangen aus ehemaligen Mitgliedern des gleichnamigen Jugendorchesters.
Durch Kunst eine bessere Zukunft finden
An zehn Tagen am Ende der Winterferien bietet das Orchester in 18 Veranstaltungen erlesene Kammermusik an der Elbe. Unter dem Motto „Bewegte Zeiten“ bezieht es sich dabei auf den künstlerischen Aufbruch im Paris der 1920er-Jahre: „In der Zwischenkriegszeit wurde hier nach Möglichkeiten gesucht, der Menschheit durch Kunst eine neue, bessere Zukunft zu zeigen“, erklärt der künstlerische Leiter und britische Trompeter Matthew Sadler die Wahl.
Praktischerweise kann das Mahler Chamber Orchestra mit seinen vielfältigen Kammermusikformationen viele Konzerte gleich selbst bestreiten, so etwa mit dem Schlagzeug-Ensemble „Motion“ oder dem Debüt von „MCO Unwound“, dem neugegründeten Barockensemble des Orchesters. Die internationale Gästeriege, die es sich gleichwohl trotzdem dazugeladen hat, führt der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes an.
Das Besondere indes ist die gut erfahrbare Nähe der Ensembles zu ihrem Publikum, denn die Auftrittsmöglichkeiten sind denkbar familiär. Da die Johanniskirche derzeit saniert wird und nicht zur Verfügung steht, bieten die größten Bühnen neben dem Verdo zwei Gotteshäuser in Lüneburg und Gartow; ansonsten trifft man sich in Schule, Café und Bahnhof.