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Elbphilharmonie: Musikalische Hommage an Heinrich Heine

„Ohren gab uns Gott die beiden“

Bariton Benjamin Appl und Pianistin Olena Kushpler enthüllen gemeinsam mit Rezitator Jens Harzer und Erzählerin Barbara Auer in einem Literaturkonzert Heinrich Heines Einfluss auf die Musik.

vonSören Ingwersen,

„Ohren gab uns Gott die beiden, / Um von Mozart, Gluck und Hayden / Meisterstücke anzuhören – / Gäb es nur Tonkunst-Kolik / Und Hämorrhoidal-Musik / Von dem großen Meyerbeer, / Schon ein Ohr hinlänglich wär!“, ätzte Heinrich Heine gegen den Meister der französischen Grand opéra, mit dem er sich privat erzürnt hatte. Des Dichters Sicht auf die Musik seiner Zeit war differenziert, und niemals nahm er ein Blatt vor dem Mund, wenn ihm etwas nicht gefiel. Was sollte man von einem berühmten Musikkritiker der Pariser Szene auch anderes erwarten?

Namhafte Komponisten schätzen nicht nur Heines Meinung, sondern vertonten seine Gedichte schon zu dessen Lebzeiten. Selbst Richard Wagner – Verfasser einer berüchtigten antisemitischen Hetzschrift – übernahm für „Tannhäuser“ und „Der fliegende Holländer“ die Themen von Heine (für Wagner ein „sehr begabter dichterischer Jude, der sich zum Dichter log“), schrieb in Paris gar ein Lied auf dessen Ballade „Die Grenadiere“, ein halbes Jahr bevor Robert Schumann sich ebenfalls des Stoffes annahm.

Verbeugung vor dem großen Dichter

Heine lebte von 1831 bis zu seinem Tod 1856 in Paris. Zur Pariser Musikszene und ihren Protagonisten hat er Lustiges, Boshaftes und Wahrhaftes geschrieben. Seinem musikalischen Leben dort ist der Veranstalter Helmut Butzmann nachgegangen und hat mit „Heinrich Heine. Paris. Musik.“ einen Abend um Heine-Texte, Anmerkungen und Liedern erdacht. In der Elbphilharmonie verbeugen sich Bariton Benjamin Appl und Pianistin Olena Kushpler vor dem großen Dichter und spüren zusammen mit Rezitator Jens Harzer und Erzählerin Barbara Auer seiner Bedeutung für die Musik seiner Zeit nach.

Auch wenn Heine die Vorstellung der Romantiker von einer „himmlischen Musik“ nicht ungebrochen teilt – in seiner Lyrik ist auch von den „alten bösen Liedern“ die Rede und die Loreley treibt mit ihrem Gesang den Schiffer ins Verderben –, so haben die Komponisten der romantischen Epoche mit ihren zahlreichen Vertonungen doch großes Interesse für Heine bekundet, der wohl nicht ohne Grund seinen ersten großen Gedichtband „Buch der Lieder“ nannte.

Klangschöpfer von Franz Schubert über Felix Mendelssohn und Fanny Hensel bis Pauline Viardot-García machten aus Heines lyrischen Liedern musikalische. Klavierstücke der Heine-Zeit verfeinern die musikalische Note des Programms.

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