Mit dem Komponisten Wolfgang Rihm hatte man in Berlin zuletzt große Pläne. Eine Oper mit dem Titel „Saul“ sollte für die Wiedereröffnung der Berliner Staatsoper entstehen. Der Traum ist vorläufig geplatzt: Aus gesundheitlichen Gründen konnte der Altmeister aus Karlsruhe „Saul“ bislang nicht fertigstellen. Von ganz anderer Seite wird dem interessierten Berliner Klassikpublikum nun ein Ersatz zur Verfügung gestellt, ausgewählt aus dem Frühwerk von Wolfgang Rihm aus den 1970er Jahren, das seine Uraufführung im Rahmen des Festivals „Movimentos Festwochen“ feiert.
Wolfgang Rihm: Das Opus Magnum kann warten
Schon als 16-Jähriger fiel Rihm beim Komponieren durch seine glühend-leidenschaftliche und zugleich handwerklich höchst gediegene Auseinandersetzung mit dem Alten auf. Den heroischen Postulaten der Avantgarde, dem ausschließlichen „Nach-vorne-Schauen“ unterwarf sich Rihm schon in seinen Titeln nicht und verwandte durchaus traditionelle Werkbezeichnungen: Benedict Klöckner und Ensemble-Risonanze-Leiter Peter Tilling bieten im Cello-Duo mit Streicherbegleitung Rihms „Doppelkonzert“ dar, das neben dem sehr persönlichem musikalischen Zugriff des Komponisten auch Reminiszenzen an Vivaldi und Strawinsky enthält. Die Geigerin Franziska Hölscher wird mit dem Ensemble Rihms „Concertino für Violine“ interpretieren – ein Stück, das deutlich vom weltanschaulichen Furor von Rihms Vorbild Karl Amadeus Hartmann geprägt ist. Rihm fasst Tradition immer multipel auf, Modernität und Heutigkeit besteht hier in der Gleichzeitigkeit und Verfügbarkeit von vielem.
Und auch um Rihms Affinität zu Barock und Frühklassik nachzuvollziehen, ist es nun gar nicht mehr nötig, dass tatsächlich noch irgendein Rihm’sches Opus Magnum auf die Berliner Opernbühnen gelangt: Es war stets ein großes Interesse des mittlerweile zahllos Geehrten, seine Musik gepaart mit Werken des 18. Jahrhunderts aufzuführen, Altes mit Neuem zu verbinden und so das Publikum die Verbindungslinien zwischen beidem live erleben zu lassen. Und so wird Peter Tilling mit seinem ensemble risonanze erranti auch Sinfonien von Carl Philipp Emanuel Bach spielen, eines anderen großen Leidenschaftlichen der Musikgeschichte – auch diese Werke wurden auf besonderen Wunsch von Wolfgang Rihm persönlich ausgewählt.
Ausschnitte aus Wolfgang Rihms Doppelkonzert für Violine und Violoncello:
concerti-Tipps:
Franziska Hölscher (Violine), Benedict Klöckner (Violoncello), ensemble risonanze erranti, Peter Tilling (Leitung). Rihm: Pol, Concertino, Doppelkonzert, In Frage & Epilog, C. P. E. Bach: Sinfonien Nr. 5 h-Moll Wq 182/5 & e-Moll Wq 178
Wolfsburg So. 8.4., 18:00 Uhr Panoramakino Movimentos Festwochen
Berlin Mo. 9.4.18, 20:00 Uhr Radialsystem V