In Makedonien ist der Mittwoch ein glücklicher Tag – ein Tag, an dem man anderen etwas Gutes wünscht. Als am Mittwochmorgen die concerti-Redaktion die Hiobsbotschaft ereilte, dass die Pianistin des anstehenden Livestreams aufgrund des Lockdowns nicht mehr an ihr Instrument gelangen könne, war es Simon Trpčeski, der die Notlage zum Positiven wendete. Der gebürtige Makedonier und international gefeierte Pianist hat zum Glück seinen Flügel zuhause zur Verfügung und spielt bei #deinconcertiabend Werke von Prokofjew und Liszt.
„Niemand hätte sich wohl jemals vorstellen können, dass unser Leben einmal so durcheinander gewirbelt wird“, beschreibt Simon Trpčeski die Auswirkungen der Corona-Krise. „Momentan verbringen wir mehr Zeit mit unseren Familien, was sehr schön ist – uns aber natürlich auch aufgezwungen wird und die sozialen Interaktionen komplett aushebelt. Kulturelle Veranstaltungen werden abgesagt und uns fehlt echte, lebendige Inspiration.“
Die Krise überwinden
Es ist eben diese lebendige Inspiration, die für Simon Trpčeski in seiner Arbeit eine große Rolle spielt. Auf seinem aktuellen Album „Tales of Russia“ widmet er sich einer Vielzahl musikalischer Geschichten von Komponisten wie Prokofjew, Rimski-Korsakow und Mussorgski und erinnert sich damit an seine eigene Kindheit und die Erzählungen seiner Großmutter. Die Folklore seines Heimatlandes Makedonien hat den Pianisten wiederum dazu inspiriert, dieser Musikform, die so gar nicht volksmusikalisch, sondern eher zeitgenössisch klingt, eine eigene Plattform zu geben. Mit seinem Projekt „Makedonissimo“, das im August auch als Album erscheinen wird, setzt er seinen Ursprüngen ein klangfarbenreiches Denkmal.
Genauso wie Simon Trpčeski die Musik seines Heimatlandes in seinem Leben zu verorten weiß, hat er sich auch Gedanken zum Überwinden der aktuellen Krise gemacht: „Um positiv und guten Muts zu bleiben, müssen wir alle uns immer wieder daran erinnern, dass es schon vor unserer Zeit solche Plagen gab. Und wir immer noch da sind.“ So entstand Prokofjews Stück „Märchen einer alten Großmutter“ in einer ähnlichen Situation, erklärt der Pianist: „Der erste Weltkrieg und die Spanische Grippe suchten die Menschen heim und zwangen sie, zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu unterstützen. Ich hoffe, dass wir alle zusammen bleiben, versuchen einander zu verstehen und aufeinander zu achten. Es ist eine sehr schwierige Situation, in der wir alle uns befinden, aber wir werden sie überwinden.“
#deinconcertiabend
Do. 16.04.2020, 19:30 Uhr
Simon Trpčeski (Klavier)
Hier geht’s zum Livestream
Programm:
Prokofjew: Märchen einer alten Großmutter
Schubert/Liszt: Soirées de Vienne