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Apple Music Classical: Neue Streaming-App für klassische Musik startet

Ein völlig neues Hörerlebnis

Bislang scheiterten die Streaming-Dienste daran, den gigantischen Aufnahmekanon klassischer Musik nutzerfreundlich zu gestalten – und vor allem die technischen Möglichkeiten umfassend zu nutzen. Dem Anbieter Apple Music scheint mit einer eigenen Klassik-App all das gelungen zu sein.

vonGregor Burgenmeister,

Musik hat schon immer eine große Rolle gespielt bei Apple. Der iPod, 2001 vorgestellt, manövrierte Apple nicht nur in das Bewusstsein der Musikliebhaber weltweit: Er veränderte noch mehr als Sonys Walkman das Nutzungsverhalten der Hörer. Mit dem iTunes-Store, über den die Musik direkt auf den iPod heruntergeladen werden konnte, begann auch für die Musikindustrie ein neues Zeitalter, die zu jener Zeit mit illegalen Downloads gekämpft und von sich aus keinen Weg gefunden hatte, neben dem Verkauf physischer Tonträger neue Verkaufswege für ihre Inhalte zu schaffen. Schließlich hatten Anfang der 2000er Jahre Musikpiraterie und illegale Downloads für Milliarden-Verluste bei Plattenfirmen und Künstlern gesorgt.

Mit der Einführung des iPhones 2007 fand die Verschmelzung der digitalen Welten in einem Gerät statt, das nun Telefon, Computer, Fotoapparat, Filmkamera und Musikplayer war. Während Apple hier jeweils Vorreiter war, kam der Einstieg in das Audio-Streaming vergleichsweise spät. Spotify etwa startete seinen Dienst 2008. Als Apple 2015 in das Streaming-Geschäft einstieg, war Spotify schon unangefochtener Platzhirsch, und mit dreißig Millionen Titeln war das Angebot von Apple vergleichsweise bescheiden. Das hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. 2022 durchbrach Apple die Marke von hundert Millionen Songs und verfügt nunmehr über das größte musikalische Angebot. Zwar hat Spotify noch immer den größeren Marktanteil, aber auch hier holt Apple Music auf. Mittlerweile beherrschen Spotify, Apple Music, Tidal & Co. den weltweiten Musikmarkt, die einstigen Bedenken der Musikindustrie sind Geschichte. Die Streamingdienste sorgen inzwischen für einträgliche und vor allem wachsende Erlöse. Der digitale Umbruch ist in dieser Hinsicht also zum Alltag geworden und wird von Musikfans, Künstlern und der Industrie gleichermaßen geschätzt, wenn auch noch nicht in allen musikalischen Bereichen. Am wenigsten angetan vom bezahlten Streaming ist der Klassikmarkt. Hier war die CD noch immer das dominierende Medium – mit massiv rückläufigen Absatzzahlen, die Download und Streaming nicht ansatzweisende kompensieren konnten.

Die Anforderungen beim Klassik-Streaming sind gänzlich andere als etwa bei der Popmusik

Das dürfte aber auch daran liegen, dass bisher keiner der großen Anbieter, die den gesamten Musikmarkt mit allen Genres abbilden und damit unterschiedlichste Zielgruppen bedienen wollen, ein gut funktionierendes Angebot für Klassikhörer bereitstellen konnte. Zwar sind die meisten Aufnahmen mit klassischer Musik bei allen Streaming-Anbietern verfügbar. Und die Möglichkeit, Zugriff auf den Großteil der jemals veröffentlichten Aufnahmen zu haben, ist gerade bei der Klassik besonders wertvoll. Aber die Anforderungen sind gänzlich andere als etwa bei der Popmusik, wenn es darum geht, genau die Musik zu finden, die man gerade hören will. Sucht ein Hörer beispielsweise nach einem konkreten Werk und möchte davon unterschiedliche Interpretationen vergleichen, war dies bisher immer nur auf Umwegen möglich. Während es bei Popmusik in der Regel nur eine Interpretation eines Songs gibt, weil Cover-Versionen eher die Ausnahme bilden, und die Komponisten für die meisten User keine große Rolle spielen, ist das bei klassischer Musik grundlegend anders. Werke der klassischen Musik bestehen oftmals aus mehreren Sätzen und Titeln, von berühmten Werken gibt es hunderte von Aufnahmen, die meisten Komponisten haben eigene Katalognummern. Diese komplexe Datenstruktur machte es bisher kaum möglich, Klassik-Hörer zufriedenzustellen, die nach Komponisten, Werken, Interpreten, Orchestern, Instrumenten, Stimmlagen, Aufnahmen und vielem mehr suchen wollen.

Apple ist bekannt dafür, sich für die bestmögliche Nutzererfahrung einzusetzen. Über das Download-Angebot des iTunes-Stores hat das Unternehmen eine sehr lange Beziehung zu vielen Klassik-Künstlern, die darüber hinaus auch bei den iTunes-Festivals oder in Apple Stores aufgetreten sind. Nicht zuletzt der Austausch mit diesen Künstlern oder Partnern wie der Deutschen Grammophon hat Apple dazu motiviert, ein Angebot für klassische Musik zu entwickeln, das den vielfältigen Anforderungen der Kunden entspricht. Jetzt kommt also Apple Music Classical als eigenständige App. Sie ist eine Erweiterung des von Apple im Jahr 2021 übernommenen Dienstes Primephonic, der sich ab 2018 ganz der Klassik gewidmet hatte. „Wir lieben klassische Musik und haben tiefen Respekt vor all ihren Formen, und Primephonic hat sich zu einem Favoriten unter Klassik-Enthusiasten entwickelt“, sagte Oliver Schusser, Vice President of Apple Music and Beats bei Apple nach der Übernahme. „Gemeinsam bringen wir großartige neue Eigenschaften der klassischen Musik auf Apple Music und in naher Zukunft werden wir ein ganz besonderes Erlebnis für klassische Musik anbieten, das wirklich das beste der Welt sein wird.“

Mit Apple Music Classical im weltgrößten Katalog für klassische Musik unterwegs

Mithilfe einer volloptimierten Suche lassen sich mit Apple Music Classical schnell und einfach Aufnahmen im weltgrößten Katalog für klassische Musik finden. Viele der angebotenen Werke werden im immersivem 3D-Audio auf ganz neue Art zu erleben sein. Zudem garantiert Apple mit Apple Music Classical die bestmöglich verfügbare Audioqualität und verspricht den Usern ein ultimatives Klassik-Erlebnis. Neben dem Musikkatalog mit insgesamt über fünf Millionen Aufnahmen und Werken sind hunderte kuratierte Playlists, tausende exklusiven Alben, interessante Biografien von Komponistinnen und Komponisten sowie ausführliche Leitfäden für viele wichtige Werke in der App enthalten. Dabei besteht Apple Music Classical aus über fünfzig Millionen Datenpunkten mit mehr als 20.000 Komponisten, über 115.000 Werken und über 350.000 Sätzen.

Zusätzlich ist Apple Music mit einigen der größten Institutionen der Klassikwelt wie den Berliner Philharmonikern, der Carnegie Hall, dem Chicago Symphony Orchestra oder den Wiener Philharmonikern Partnerschaften eingegangen, um den Nutzern zum Start und auch zukünftig neue, einzigartige und exklusive Inhalte zu präsentieren. Darüber hinaus wird Apple Music Classical Gastgeber einiger Live-Aufführungen von ausgewählten dieser Partner sein. Das spezifisch auf die Klassik zugeschnittene Vergütungsmodell von Primephonic wurde zwar nicht übernommen, aber ein Bewusstsein für eine faire Bezahlung der Künstler ist (ein Thema, das vonseiten der Musikindustrie wie auch von Künstlern immer wieder neu diskutiert wird) ist auch bei Oliver Schusser, der als Vice President mittlerweile neben Apple Music auch International Content verantwortet, durchaus vorhanden, wie er concerti bei der einer Vorab-Präsentation von Apple Music Classical in London erzählt: „Wir glauben, dass jeder für seine Kunst bezahlt werden sollte. Wir glauben nicht daran, Musik umsonst zu verschenken. Wir zahlen jedem Label das Gleiche – ob Groß oder Klein, – und wir zahlen mehr als unsere Konkurrenten.“

Den Genuss von klassischer Musik auf ein neues Niveau bringen

Ob Apple mit seinem neuen Angebot den Klassik-Markt so stark verändern wird, wie es seinerzeit mit iPod und iTunes gelungen ist, wird sich zeigen. Erst einmal stand bei der Entwicklung das Produkt im Vordergrund, das den Genuss klassischer Musik über Streaming auf ein neues Niveau zu bringen vermag. Die persönlichen Eindrücke in London, wo nicht nur die App selbst vorgestellt wurde, sondern die höchste Klangqualität sowohl auf einer hochwertigen Heimanlage wie auch in einer Mercedes S-Klasse präsentiert wurden, waren vielversprechend. Das Ergebnis ist eine für klassische Musik maßgeschneiderte App, die ein gänzlich neues Klassikerlebnis verspricht und die vor allem von Klassik-Liebhabern für Klassik-Liebhaber gebaut wurde. So ist die Leiterin des Social Media-Teams Opernsängerin, viele der Mitarbeiter spielen Klavier, es gibt Dirigenten und Komponisten im Team, sogar ein Mini-Ensemble im Büro von Apple Music wurde gegründet. Auch der gebürtige Münchner Oliver Schusser, seit neunzehn Jahren für Apple tätig, hat in seinem Elternhaus die Klassik für sich entdeckt und ist davon überzeugt, dass sich die Mühe gelohnt hat: „Wenn wir mit Apple Music Classical dazu beitragen können, dass die Klassik noch mehr Hörer gewinnt, dann haben wir etwas richtig gemacht.“

Apple Music Classical kann ab sofort hier heruntergeladen werden. Abonnenten können die App als Teil ihres Apple Music-Abonnements ohne zusätzliche Kosten nutzen.

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