„Ich selbst habe zu meinem Bedauern Weinbergs Musik lange verkannt, aber Gott sei Dank ist es nicht zu spät, das jetzt nachzuholen“, sagt Gidon Kremer über Mieczysław Weinberg. „Er ist einer der wirklich großen Komponisten des 20. Jahrhunderts, der stets etwas zu sagen hatte.“ Heute vor 100 Jahren wurde der Komponist geboren, dessen faszinierendes Werk nach und nach in die Öffentlichkeit gelangt.
„Die Passagierin“ wurde mit 42-jähriger Verspätung uraufgeführt
Lange Zeit verstellten doppelte ideologische Verblendungen den Blick auf den 1919 in Warschau geborenen Komponisten, der heute nicht nur mit einer Fülle an Sinfonien und Streichquartetten, Filmmusiken und Liedern begeistert, sondern auch mehrere Werke für das Musiktheater hinterließ. Sogar weit mehr als der Mann, der ihn entschieden förderte, doch in dessen Schatten Weinberg noch immer steht: Dmitri Schostakowitsch.
Als Sohn eines jüdischen Kapellmeisters musste Weinberg mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1939 in Polen nach Osten fliehen. Dort holte Schostakowitsch ihn nach Moskau, drückte ihm einen Roman von Zofia Posmysz als Textvorlage für sein 1968 entstandenes Hauptwerk „Die Passagierin“ in die Hand und setzte sich leidenschaftlich für dessen Uraufführung ein. Mit einer Verzögerung von 42 Jahren wurde die Oper dann aber erst bei den Bregenzer Festspielen 2010 in der Regie des damaligen Intendanten David Pountney szenisch uraufgeführt.
Kein konservativer Schöntöner: Mieczysław Weinberg
In der Sowjetunion galt der polnische Jude Weinberg als verdächtig, das System hielt ihn an der kurzen Leine; und im Westen, wo Schostakowitsch, Schnittke und Gubaidulina eine immer breitere Rezeption erfuhren, entsprach seine Kunst nicht der gängigen Avantgarde. Dabei ist Weinberg, der 1996 in Moskau starb, alles andere als ein konservativer Schöntöner – wenngleich er auch dem Schönklang seinen Platz einräumt.
Im Gespräch mit dem Geiger Marc Danel und dem Musikwissenschaftler David Fanning zeichnet Hildburg Heider in SWR2 ein Porträt des Komponisten zu dessen 100. Geburtstag.
concerti-Tipp:
So. 8.12., 15:05 Uhr
Zum 100. Geburtstag des Komponisten Mieczysław Weinberg
SWR2