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Ensembleporträt Kammerakademie Potsdam

Das Orchester der Landeshauptstadt

Die Kammerakademie Potsdam feiert ihren zehnten Geburtstag

vonHeiner Milberg,

Auf einem Feld hat Potsdam musikalisch Berlin etwas voraus: Hier nämlich gibt es, anders als in Berlin, ein festes, auf höchstem Niveau musizierendes Kammerorchester, das die ganze Bandbreite des Repertoires vom Barock bis zur zeitgenössischen Moderne abdeckt: die Kammerakademie Potsdam – die sich im Untertitel stolz „Das Orchester der Landeshauptstadt“ nennt. Wobei die Landeshauptstadt mindestens ebenso stolz sein kann, sich mit diesem Orchester zu schmücken.

Dabei entstand die Kammerakademie als eine Art Notlösung: Vor elf Jahren sah sich die Stadt Potsdam außerstande, ihr Sinfonieorchester weiterzufinanzieren. Gar kein Orchester mehr zu haben, ging aber auch nicht an. Und so fusionierte man kurzentschlossen das Berliner Ensemble Oriol mit dem Potsdamer Persius Ensemble zu einem 29-köpfigen Kammerorchester.

Frauke Roth, studierte Flötistin und seit Anbeginn Geschäftsführerin des Orchesters, sagt dazu: „Dass man Orchester nicht fusionieren kann, stimmt weiterhin. Aber es gibt eben Ausnahmen, die die Regel bestätigen.“ Die Potsdamer Fusion jedenfalls hat wunderbar funktioniert. Dass die Kammerakademie heute als eines der besten deutschen Kammerorchester gelten kann, ist auch das Verdienst der ersten beiden Chefdirigenten: Zunächst formte der Fagottist Sergio Azzolini die Musiker nicht nur zu einer künstlerischen Einheit, er schulte sie auch im Bereich der historisch informierten Aufführungspraxis. Seit 2005 wechseln sie regelmäßig zu historischen Instrumenten, angeleitet von Fachleuten wie Andrea Marcon, Bernhard Forck oder Konrad Junghänel. Ab 2006 erweiterte Chefdirigent Michael Sanderling den Horizont in Richtung Beethoven und Schostakowitsch.

Seit 2010 ist nun der Panula-Schüler Antonello Manacorda, der acht Jahre Konzertmeister des Mahler Chamber Orchestra war, Künstlerischer Leiter. Zehn sinfonische Konzerte, Kammerkonzerte und eine stattliche Zahl an Kinder- und Jugendkonzerten gibt die Kammerakademie in dieser Saison im Nikolaisaal – wobei die Bandbreite von Bach bis zu einer deutschen Erstaufführung von Sofia Gubaidulina reicht. Hinzu kommen drei Konzerte mit zeitgenössischer Musik, vier Schlosskonzerte im Neuen Palais, eine dreiteilige Konzertreihe im Berliner Kammermusiksaal und Gastspiele u.a. im Concertgebouw Amsterdam. Auf dem Programm der Winteroper im Schlosstheater steht in diesem Jahr Mozarts Le nozze di Figaro in der Regie von Andreas Dresen.

Obwohl sie als Hausorchester des Nikolaisaals fungiert, ist die Kammerakademie organisatorisch unabhängig. Mit nur vier Mitarbeitern – und einer Konzertpädagogin auf einer halben Stelle – stemmt Geschäftsführerin Frauke Roth die Arbeit in der gemeinnützigen GmbH, dank fester Kooperationen und einer über jeweils drei Jahre laufenden Zuwendungsvereinbarung mit der Stadt Potsdam hat sie eine gewisse Planungssicherheit. Ein Modell, das funktioniert, aber auch seinen Preis hat: Von den Sicherheiten eines Tariforchesters können die freiberuflichen Mitglieder der Kammerakademie nur träumen. Dennoch ist die Fluktuation äußerst gering: Die Musiker wissen die Flexibilität und das hohe Niveau zu schätzen.

Ihren zehnten Geburtstag feiert die Kammerakademie Potsdam zur Saisoneröffnung am 26. August mit einer rauschenden Sommernacht: mit Mendelssohn, Berlioz, Bizet und Stargast Barbara Hendricks.

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