„Traumpartner für Regisseure“ will er aus den Studierenden machen – mit seinem neuesten Projekt hat sich Anthony Pilavachi einiges vorgenommen. Der international renommierte Regisseur kommt an die Hamburger Musikhochschule und arbeitet einige Wochen intensiv mit ausgesuchten Gesangstalenten der Opernklasse zusammen. Ende Mai bringt er gemeinsam mit ihnen Haydns Burleske L’Infedeltà delusa auf die Bühne. Eine reizvolle Aufgabe für den viel beschäftigten Profi: „Ich glaube, es ist für die Sängerinnen und Sänger der Opernklasse eine richtige Herausforderung. Sängerisch sind die Partien, auch für Super-Profis, extrem schwierig und anspruchsvoll. Ich hoffe sehr, dass die Sänger mit Spaß eine Theatersprache lernen, die das Fundament der Darstellung ist: Technik, Körperbeherrschung, Timing, Emotion.“
Für seine Regiearbeit in der Reihe junges forum Musik + Theater hat sich Pilavachi ein Werk Joseph Haydns ausgesucht, obwohl der auf den Spielplänen der großen Opernbühnen immer noch eine Nebenrolle spielt. L’Infedeltà delusa war nach der Uraufführung sogar fast 200 Jahre lang verschollen und ist noch heute kaum bekannt. Zu Unrecht, meint Pilavachi: „Haydn nutzt die Unterbrechungstechnik als Spannungsmittel. Immer wieder unterlegt er, trotz der Form der ‚burletta per musica‘, also der komischen Oper, Momenten der Glücksempfindung die Vorahnung eines schlimmen Endes. Es ist ein kluges Stück, weil sich die Konflikte der handelnden Personen im Spannungsfeld von patriarchalischer Ordnung und individueller Freiheit abspielen.“
Poetisches Opernerlebnis dank Anthony Pilavachi
Anthony Pilavachi überträgt die ursprünglich im Milieu der bäuerlichen Komödie angesiedelte Handlung in einen Zaubergarten – eine „reale Fantasiewelt“ mit allerlei Getier, das ziemlich menschliche Verhaltensweisen an den Tag legt. Damit sieht er sich ganz in der Tradition der Zeit Haydns: „Das greift ein Lieblingsthema des 18. Jahrhunderts auf: Bühnenfiguren als emotionale Versuchsobjekte für den Zuschauer. Die Inszenierung spielt nicht auf dem Land mit mehr oder weniger klugen Bauern, sondern in einem überdimensionalen Garten, wo ein quasi-menschlicher Mikrokosmos agiert. Filippo, der Alte – ein unerträglicher Patriarch, zynisch und ungeduldig – ist eine alte Motte. Sandrina – Tochter Filippos und die poetischste und zerbrechlichste Figur der Oper – ist ein von Freiheit träumender Schmetterling. Nencio – der neureiche Bauer, arrogant, rücksichtslos und untreu – ist ein eleganter Grashüpfer, der von Frau zu Frau und von Affäre zu Affäre springt.“
Die Inszenierung verspricht ein poetisches Opernerlebnis, das Haydns feine Ironie, seinen Hang zu absurden und komischen Wendungen zum Vorschein bringen will. Manchmal schimmert da sogar Zynismus und schwarzer Humor durch. Für das Vorhaben, den Sängerinnen und Sängern am Ende ihres Studiums die Erarbeitung einer Oper unter professionellen Bedingungen zu ermöglichen, stehen Pilavachi hochkarätige Partner zur Seite: Die Hamburger Symphoniker sind – wie schon in der Vergangenheit – gern wieder in der Hochschule zu Gast, dirigiert werden sie diesmal von Werner Hagen. Auf das Publikum wartet nicht nur ein spannendes Regiekonzept, sondern auch musikalisch Hochklassiges mit einem erfahrenen Orchester – und die Begegnung mit potenziellen Sängerstars.