Nach „Adriana Lecouvreur“ hatte Francesco Cilea sich gründlich mit der musikalischen Frühmoderne auf d’Annunzios Spuren beschäftigt. Die Endfassung seiner 1907 entstandenen Oper „Gloria“ sprüht von postimpressionistischen, von Wagner dezent infiltrierten und den späten Verdi weiterdenkenden Instrumentationseffekten. Bis erst der Edle Lionetto, dann die Prachtfrau Gloria durch Dolch und Selbstmord aus dem Leben scheiden, reihen sich durch glutvollen und dabei ziselierten Gesang befeuerte Szenen aus dem hochmittelalterlichen Siena. Im Eifer der vokalen Gefechte klingt Carlo Ventre stellenweise leicht belegt, wodurch Franco Vasallo als Bardo auf Männerseite in stramme Führung gerät. Stern der Aufnahme ist Anastasia Bartoli, die sich erneut eindrucksvoll den Olymp der souverän flutenden und im Piano verführerischen Spintostimmen erobert. Orchester und Maestro holen das Beste aus der Partitur.

Cilea: Gloria
Anastasia Bartoli (Gloria), Ramaz Chikviladze (Aquilante), Franco Vassallo (Bardo), Carlo Ventre (Lioneeto de‘ Ricci), Chor & Orchester de Teatro Lirico di Cagliari, Francesco Cilluffo (Leitung)
Naxos