Zurzeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie erlebte die heute in der Ukraine gelegene Stadt Czernowitz ihre kulturelle Blütezeit. Deutschsprachige Autoren wie Rose Ausländer, Selma Meerbaum-Eisinger und Itzig Manger, aber auch jiddische und rumänische Autoren haben hier gewirkt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt von der Roten Armee eingenommen, die Bevölkerung vertrieben, Ukrainer und Russen siedelten sich in Czernowitz an, und die ehemalige deutsch-jüdische Kulturmetropole geriet für lange Zeit in Vergessenheit, bis sie als Topos in der Literatur wieder auftauchte.
Ein literarisch-musikalischer Abend mit den Schauspielern Maria Hartmann und Gustav Peter Wöhler sowie den Sängern Natascha Dwulecki und Titus Witt vergegenwärtigt die Geschichte einer Stadt, die – geprägt von Krieg, Vertreibung und Verfolgung – heute zu einem der letzten Zufluchtsorte für viele Ukrainer aus den umkämpften Regionen im Osten des Landes geworden ist. Die Liste der Autoren reicht bis zu Serhij Zhadan, der 2022 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde.