Fünf Jahre nachdem Fritz Kreisler mit einer persönlichen Bitte um ein Violinkonzert bei Edward Elgar auf offene Ohren stieß, sollte Kreislers Wunsch in Erfüllung gehen. Dem Violinvirtuosen gewissermaßen auf den Leib geschrieben, gilt der Solopart des Konzerts bis heute als geigerische Schwerstarbeit. Alleine die Fülle an rasenden Arpeggien und halsbrecherischen Kaskaden lässt so machem Solisten den Atem stocken. Frank Peter Zimmermann nimmt die fünfzigminütige Mammutaufgabe gerne an, unlängst mit den Wiener Philharmonikern, nun im März mit Andris Poga und dem NDR Elbphilharmonie Orchester.
Nicht minder anspruchsvoll, jedoch in ganz andere Farben getaucht, ist Schostakowitschs zehnte Sinfonie, die Elgars Konzert gegenübergestellt wird. Hier treffen düstere Streicher auf brutale Klänge zwischen Märschen und dissonanten Bläsersätzen. Poga, der als Schostakowitsch-Experte mit dessen Klangsprache vertraut ist, entschlüsselt die Doppelbödigkeit des Werkes mit einem Happy End.