Musik hat kein Geschlecht. Es ist das Werk selbst, das Maßstäbe setzt. Oder auch nicht. Das gilt auch für die vom Trio Lilium präsentierten Komponistinnen: etwa Germaine Tailleferre, Éric Saties „musikalische Tochter“, die aller Hindernisse und Ehemänner zum Trotz ihrer kompositorischen Berufung bis ins hohe Alter folgte. Anders die Klaviervirtuosin Clara Schumann, die nach dem Tod von Robert, den sie fast vierzig Jahre überlebte, nicht mehr komponierte, vielleicht weil sie einige ihrer Werke als „Frauenzimmerarbeit“ empfand, denen „es an der Kraft“ und „an der Erfindung fehlt.“
Schließlich Mélanie Hélène. Über 300 Werke veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Mel Bonis. „Sie kennt alle Tricks unseres Handwerks“, sagte Camille Saint-Saëns und: „Ich hätte nie geglaubt, dass eine Frau fähig ist, so etwas zu schreiben“. Madeleine Dring hingegen komponierte kleinere Werke für ihren Mann, einen Oboisten. Und die früh vollendete Lili Boulanger hinterließ über 50 Werke, als sie 1918 mit nur 24 Jahren starb.