Mischa Maisky zählt zweifelsfrei zu den bekanntesten und erfolgreichsten Cellisten unserer Zeit. Seit Anfang der siebziger Jahre ist er von den Bühnen der Welt nicht mehr wegzudenken. Sowohl als Solokünstler oder in verschiedenen Kammermusikformationen mit Martha Argerich, mit der ihn eine vierzigjährige Freundschaft verbindet, oder seinen beiden Kindern, der Pianistin Lily Maisky und dem Geiger Sascha Maisky. Immer mit dabei sind die Werke der alten Meister: Bach, Beethoven, Schumann oder Brahms.
Viel geändert hat sich seitdem nicht. Eigentlich. Denn mit 70 Jahren ist Mischa Maisky seinem Instrument treu geblieben und hat nicht wie viele andere Musiker eine Dirigenten- oder Professorenlaufbahn eingeschlagen. Auch sein Repertoire ist im Wesentlichen das Gleiche geblieben. Lieber interpretiert er die Werke aus Barock, Klassik oder Romantik immer wieder neu, als sich zeitgenössischer und moderner Musik zu widmen.
Mischa Maisky: Emotionalität braucht keine großen Gesten
Trotz des klassischen Repertoires erscheint der 1948 in Riga geborene Maisky auf den ersten Blick aber eher wie ein unkonventioneller Musiker. Abgesehen von der wallenden grauen Mähne und den auffallend großen goldenen Ketten, verzichtet der Cellist auch auf die unbequeme schwarz-weiße Konzertkleidung. Stattdessen trägt er die für die Klassikszene eher schrillen Kreationen des japanischen Modedesigners Issey Miyake – sie seien bequem und man müsse sie nicht bügeln.

Zum Anderen ist Maisky ein Cellist, der Musik mit einem Maximum an Expressivität vorträgt. Das tut er nicht mit ausfallender Gestik, sondern mit seinem intensiven und gefühlvollen Spiel. Darauf hatten vermutlich seine Lehrer Mstislaw Rostropowitsch, dessen Student er am St. Petersburger Konservatorium war, und Gregor Piatigorsky großen Einfluss. Beide waren weniger darauf bedacht, dem jungen Maisky die Technik des Cellospiels zu vermitteln, sondern einen Schwerpunkt auf Emotionalität gelegt.
Romantischer Bach
Maiskys internationale Karriere begann im Alter von 25, als er mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra sein Debüt in der New Yorker Carnegie Hall gab. Auftritte in den USA, Europa und Fernost sowie Aufnahmen mit Gidon Kremer und den Wiener Philharmonikern folgten. Einen Höhepunkt in seiner Karriere bildet sicherlich das Bach-Jahr 2000, in dem er zum 250. Todestag des Komponisten insgesamt 101 Mal dessen Cello-Suiten und Sonaten gespielt hat.
Die sechs Bach-Suiten sieht er wie eine Bibel, für die es ganz unterschiedliche und vielfältige Übersetzungs- sowie Interpretationsmöglichkeiten gibt. Einen großen Wert auf die historische Aufführungspraxis legt er daher nicht – teilweise klingt sein Bach sogar romantisch.
Mischa Maisky kann auf viele Stationen in seinem Leben zurückblicken: Das Studium in St. Petersburg, die Emigration nach Israel und schließlich Brüssel, wo er mittlerweile lebt. An Rente ist aber bisher noch nicht zu denken. Ganz im Gegenteil. Pünktlich zu seinem runden Geburtstag tourt er quer durch Deutschland.
Mischa Maisky spielt Bach: